﻿Der Ideenfisch

Eine Kurzgeschichte von 
Lars Gunmann

Smashwords Edition 


Einst begab es sich, dass der König der Fische Abgesandte aus allen Weltmeeren empfing. So unterschiedlich diese auch waren, ihre Berichte ähnelten sich sehr: Die Raubzüge der Menschen wurden immer mehr, ihre Methoden und Werkzeuge immer raffinierter. Der König ließ Gibson zu sich rufen, seinen mutigsten und klügsten Ritter. Dieser hatte eine besondere Gabe, weswegen man ihn auch Ideenfisch nannte.
“Gibson, ich brauche Deine Ideen”, sagte der König.
“Stets zu Diensten, Majestät. Wie kann ich helfen?”
“Die Menschen fangen immer mehr und mehr Fische, wahrscheinlich um sie zu verspeisen. Als König ist es meine Pflicht, meinen Untertanen Sicherheit zu bieten, mit meiner Weisheit bin ich jedoch am Ende.”
“Es stimmt”, sagte Gibson, “ich habe gehört, dass die Menschen besonders freitags sehr viel Fisch essen. Das geht auf einen Mann mit langen Haaren und Sandalen zurück, der vor fast zweitausend Jahren lebte, und ansonsten viel Gutes bewirkt hat. Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich die Menschenwelt erneut verändert. Mir fällt sicher etwas ein!”
Gibson suchte lange nach einem geeigneten Menschen, bei dem er seine Mission beginnen konnte. In einer einsamen Bucht fand er einen Fischer.
“Hallo, ich bin der Ideenfisch. Versprich mir, nie wieder Fisch zu essen, dann lasse ich meine Ideenkraft auf dich wirken.”
“Ein sprechender Fisch? Ich kann gut darauf verzichten, Fisch zu essen. Doch Ideen brauche ich, denn ich will endlich weg von hier. Ich verspreche dir also feierlich: Nie wieder werde ich Fisch essen!”
“Dann soll es so sein! Aber ich hab erst mal einen Bärenhunger, was hast du denn in deiner Tasche?”
“Ein Wurstbrötchen. Kannst du haben.”
“Hmm, lecker.”
Gibson aß die Wurst von dem Brötchen und ließ die beiden Hälften zurück.
“Brot mag ich nicht. Aber jetzt bin ich gestärkt. Schließ die Augen!”
Der Fischer tat wie geheißen. Gibson setzte zum Sprung an und hopste dem Mann gegen die Nase. Ein ganzer Schwall Meerwasser landete in dessen Gesicht.
“Pfui, was soll denn das?”
“Denk doch mal nach, dir wird gleich die Idee deines Lebens kommen.”
Der Mann sah den Fisch an. Dann die beiden Brötchenhälften neben sich.
“Du hast Recht”, sagte er und grinste tückisch.
Kurz darauf lag Gibson auf dem Grill. Der Fischer packte ihn zwischen die Brötchenhälften und verkaufte den Snack an seinen Nachbarn. Ein Jahr später öffnete die erste „Nordsee“-Filiale.



