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Ver-fick-te Stadt, dachte er, jede Silbe wie ein Schlag mit dem Hammer. Und weil er sich sowieso schon anstrengte zu denken, warum nicht gleich versuchen, sich zu erinnern? Allerdings war das ein wenig schwieriger. Er war schon auf den Knien und hielt sich an der glatten Oberfläche eines Müllcontainers fest, als er über die letzten zwei Sekunden hinaus und bei den letzten paar Stunden angelangt war.

Es war Morgen. Der Duft von Bageln und Kaffee wehte von irgendeiner Hintertür aus der Gasse herüber und kämpfte mit dem Gestank des Mülls am Rinnstein, bevor sich beides zu einem intensiven Geruch von Fäulnis vermischte. Und wenn es Morgen war, dann war Vincent–

Zu spät.

Er hätte bei Morgengrauen an Bord eines Flugzeugs sein sollen, raus aus der Stadt, bevor eine neue New Yorker Sonne ihr trauriges Haupt erheben konnte. Nein, nicht er hätte an Bord sein sollen. Er versuchte angestrengter und schmerzhafter, sich zu erinnern. Robert Wells hätte an Bord sein sollen.

Robert Daniel Wells, seine neue Identität, ein stinklangweiliger Beamter aus dem Fremdenverkehrsamt von Muncie. Das FBI hatte das eingefädelt. Einer vom Fremdenverkehrsamt konnte herumreisen, in Motels schlafen und irgendwo in der Weite Amerikas verloren gehen. Nach Los Angeles, um bei einer Tagung Muncie als Location für Filmdrehs anzupreisen, dann Oregon für ein Treffen der Vereinigung der Weihnachtsbaumzüchter, danach hinunterschwirren nach, wohin denn? Ach ja, nach Flagstaff in Arizona, um Muncie reichen Rentnern schmackhaft zu machen. Gutes altes Indiana, das malerische Reiseziel, das Mekka der Massen.

Verdammte hirnlose FBI'ler. Als ob Joey Scattione nicht dahinter kommen würde. Bei Scattiones Mitteln und Wegen war Vincent geliefert, ganz gleich, welche Identität sie ihm verpassten. Was er brauchte, war ein neues Gesicht, neue Knochen und ein neues Hirn, weil sein altes halb in seinen Nacken hinuntergerutscht war. Er betastete die Beule an seinem Kopf.

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