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1.KAPITEL

Estaravas Arme schmerzten. Oder zumindest bildete er es sich ein. Er hing an einer Wurzel mehrere hundert Meter hoch über der Oberfläche eines Sees. Natürlich wäre es nicht schlimm gewesen, wenn er stürzte, dies war schließlich ein Traum, doch besaß er einen gewissen Ehrgeiz die Situation zu meistern. Er zog sich an der Wurzel hoch und konnte nun schon fast den Stamm des Baumes berühren. Mit seinem rechten Fuß tastete er nach einer Unebenheit im Fels. Der Schmerz in seinen Armen wurde stetig stärker und der Schweiß lief ihm in Strömen über die Stirn. Gerade als Estaravas Fuß eine Einkerbung im Fels gefunden hatte, brach die Wurzel ab. Kopfüber fiel er in die Tiefe. Er hörte das Rauschen des Windes und spürte die kalte Nachtluft auf seiner Haut. Dieser Traum war realitätsgetreuer als die meisten Anderen. Er konnte die Kälte ganz deutlich spüren und zum ersten Mal in einem Traum fragte er sich, wie er in diese Situation gekommen war.

Auf der glatten Oberfläche des Sees spiegelte sich das Mondlicht. Estarava landete auf dem Wasser und für einen Moment hatte er das Gefühl, die Zeit würde stillstehen. Doch entgegen seiner Erwartung wachte er nicht auf, sondern glitt durch die Wasseroberfläche hindurch. Das beruhigte ihn. Es stand nun ohne jeden Zweifel fest, dass dies ein Traum war. Trotz der echt wirkenden Kälte und den anderen Dingen, die diesen Traum so real machten, war sich Estarava nun sicher, dies konnte nicht die Wirklichkeit sein. Es war unmöglich einen Sturz aus dieser Höhe zu überleben, erst recht nicht, wenn man auf der Wasseroberfläche eines Sees aufschlug. Durch das Wasser wurde Estaravas Sturz gebremst. Er schwebte in die Tiefe, außer Stande sich zu bewegen. Plötzlich spürte er festen Boden unter seinen Füßen. Die Kälte fiel von ihm ab. Es war stockdunkel und er konnte nicht einmal seine Hände erkennen, als er sie vor sein Gesicht führte.

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